Nachgefragt: Wirtschaftswissenschaftlicher Pluralismus an unseren Hochschulen

Mit dieser Stickeraktion wollen wir Studierende für Pluralismus in der Volkswirtschaftslehre sensibilisieren. Die Fragen auf den Stickern sind für viele vom Netzwerk Plurale Ökonomik der Ausgangspunkt gewesen, sich mit ökonomischen Themen außerhalb der gängigen VWL-Lehre zu beschäftigen. Und wir glauben, dass wir nicht die Einzigen sind, die sich im Laufe ihres Studiums diese oder ähnliche Fragen gestellt und keine Antworten darauf im Rahmen der Universität gefunden haben.

Doch es gibt spannende Antworten auf diese Fragen und wir haben versucht, einige davon hier zu geben, so wie sie für uns beim ersten Stellen der Fragen hilfreich gewesen wären. Sie sind ein Ergebnis unserer Auseinandersetzung mit verschiedensten ökonomischen Fragestellungen abseits der VWL-Lehre in den vergangenen Semestern. Diese Texte beabsichtigen nicht, eine endgültige Antwort auf die gestellten Fragen zu geben, sondern sollen vielmehr zeigen, dass es viele interessante Perspektiven zu ökonomischen Fragen gibt und wo ihr bei weiterem Interesse noch etwas dazu lesen könnt. 

Weitere Informationen und Aktionen findet ihr auch über das Menü oben.

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Frage #1: Wie viele Theorieschulen gibt es eigentlich in der VWL?

Eine konkrete Anzahl ist schwer zu beziffern. Es sind auf jeden Fall viele. Dazu gehören einerseits die historischen Theorieschulen wie Physiokratie, Klassik, und Historische Schule, anderseits heute noch aktive wie Marxistische Ökonomik, alte Institutionenökonomik und Österreichische Schule, sowie moderne wie Feministische Ökonomik, Postkeynesianismus, Komplexitätsökonomik, Evolutionäre Ökonomik und Ökologische Ökonomik. Diese Aufzählung umfasst bei Weitem nicht alle Theorieströmungen. An deutschen Hochschulen begegnen einem die historischen Theorieschulen vorwiegend in Veranstaltungen wie Ideen- oder Dogmengeschichte. Die moderneren Theorieschulen sind hingegen mit wenigen Ausnahmen kaum an Universitäten zu finden. Auch Veranstaltungen, die nach diesen klingen, wie zum Beispiel Umweltökonomie, behandeln meistens nur aus der Neoklassik entsprungene Ansätze. Dieser theoretische Monismus findet sich so in keiner anderen Sozialwissenschaft. Das ist eine verpasste Chance, ein umfangreicheres und tief greifenderes Verständnis von ökonomischen Fragestellungen zu erlangen.

Neben dem fehlenden Angebot von Lehrveranstaltungen zu unterschiedlichen Theorieschulen mangelt es oft auch an dem Bewusstsein über die Existenz verschiedener Ansätze. In Standardlehrbüchern wie der 'Einführung in die Volkswirtschaftslehre' von Mankiw wird die VWL als eine einheitliche Wissenschaft dargestellt. Es gibt jedoch auch pluralere Einführungswerke, wie 'Paradigmen-orientierte Einführung in die Volkswirtschaftslehre' von Herr und Heine, die von vornherein die VWL als eine vielfältige Wissenschaft mit sich widersprechenden Theorien darstellen.

 

Links und Literatur

Materialiensammlung des Netzwerks Plurale Ökonomik: [Link]

Literaturliste Heterodoxe VWL: [Link]

Colander, David; Landreth, Harry (1994): History of Economic Thought. South-Western College Pub. [Link]

Samuels, Warren; Biddle, Jeff; Davis, John (2003): A Companion to the History of Economic Thought. Wiley-Blackwell. 

Heine, Michael; Herr, Hans-Jörg (2012): Volkswirtschaftslehre: paradigmenorientierte Einführung in Mikro- und Makroökonomie. Oldenbourg.

Elsner, Wolfram; Heinrich, Torsten; Schwardt, Henning (2015): The Microeconomics of Complex Economics. Elsevier.

 

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Frage #2: Werde ich durch das VWL-Studium egoistischer?

Zahlreiche Studien kommen zur Schlussfolgerung: VWL-Studierende sind egoistischer und weniger empathisch als andere Studierende. So hat beispielsweise der renommierte Spieltheoretiker Ariel Rubenstein (2006) eine Studie zu Entlassungsentscheidungen von Studierenden gemacht. In seinen Vorlesungen bat er seine Studierenden über die Anzahl der Kündigungen eines fiktiven, in Schwierigkeiten geratenen Unternehmens zu entscheiden. Im Vergleich zu BWL, Mathematik, Philosophie und MBA Studierenden feuerten VWLer*innen die meisten Mitarbeitenden. Andere Studien schauen auf kooperatives oder altruistisches Verhalten und kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen.

Es gibt jedoch unterschiedliche Auffassungen darüber, woher diese Unterschiede kommen: Ist der Unterschied zwischen VWL-Studierenden und denen anderer Disziplinen durch einen Selektionseffekt oder einen Treatment-Effekt zu erklären? Die Erklärung durch einen Selektionseffekt bedeutet, dass egoistischere Personen tendenziell eher VWL als andere Studiengänge studieren, während ein Treatment-Effekt bedeuten würde, dass VWL-Studierende durch ihre intensive Auseinandersetzung mit auf Selbstinteresse und Gewinnmaximierung basierenden Modellen egoistischer werden. Die Frage lässt sich nicht endgültig beantworten, jedoch deuten Hinweise auf einen Treatmenteffekt hin, beispielsweise eine Untersuchung von Frank et. al (1993).

 

Links und Literatur

Rubenstein, Ariel (2006): Dilemmas of an Economic Theorist, in: Econometrica, Vol. 74, No. 4, 865–883 [Link]

Frank, Robert; Gilovich, Thomas ;Regan, Dennis (1993): Does Studying Economics Inhibit Cooperation? in: The Journal of Economic Perspectives 7 (2), 159-171. [Link]

Bauman, Yoram; Rose, Elaina (2011): Selection or indoctrination: Why do economics students donate less than the rest? in: Journal of Economic Behavior and Organization 79, 318-327. [Link]

 

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Frage #3: Ist der repräsentative Agent männlich oder weiblich?

Einerseits werden dem repräsentativen Agenten in den gängigen Modellen der Mainstream-VWL kein Geschlecht zugewiesen. Anderseits aber weist der repräsentative Agent Eigenschaften auf, welche gemeinhin Männern zugeschrieben werden, wie zum Beispiel eine kühl kalkulierende Rationalität. Ein Grund dafür ist die Geschichte der VWL: So gilt schon in Wealth of Nations von Adam Smith der weiße männliche Bürger als Ideal, wohingegen Frauen keine wirtschaftlichen Kompetenzen zugetraut werden. Habermann (2010) hat sich näher mit den Geschlechterrollen in den Theorien der Wirtschaftswissenschaften beschäftigt und kommt zu dem Schluss, dass das Konzept des homo oeconomicus in einer engen Wechselbeziehung zur gesellschaftlichen Rolle bzw. Konstruktion des weißen, heterosexuellen und männlichen Bürgers steht.

Die Fokussierung auf „männliche“ wirtschaftliche Tätigkeiten ist eine Folge dieser Verknüpfung. So werden in der Mainstream-Ökonomie andere, typischerweise als „weiblich“ betrachtete wirtschaftliche Tätigkeiten, wie Haus- und Pflegearbeit sowie die häusliche Erziehung von Kindern nicht als gleichwertig zu anderen wirtschaftlichen Tätigkeiten wie die (Lohn-)Arbeit im produzierenden Gewerbe betrachtet. Diese Tätigkeiten waren und sind aber unzweifelhaft sehr wichtig und für die damalige und heutige Wirtschaftsordnung notwendig, die sich sonst nicht reproduzieren könnte. Eine historische Analyse, wie in den Anfängen des Kapitalismus eine geschlechtsbasierte Trennung von Reproduktions- und Erwerbsarbeit erfolgt, liefert Silvia Federici (2004). Weitere Folgen der Fokussierung auf „männliche“ Tätigkeiten im Rahmen von ‚wirtschaftlichen‘ Tätigkeiten ist die immer noch beträchtliche Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen, auch bei gleichen Qualifikationen.

 

Links und Literatur:

Habermann, Friederike (2010): Hegemonie, Identität und der homo oeconomicus Oder: Warum feministische Ökonomie nicht ausreicht. In: Bauhardt, Çağlar (Hrsg.): Gender and Economics, 151-173, VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Biesecker, Adelheid (2010): Modelle feministischer Ökonomie in wirtschaftspolitischer Praxis. Konferenzbeitrag Politische Ansätze und Perspektiven für nachhaltiges geschlechtergerechtes Wirtschaften. [Link]

Manstetten, Rainer (2004): Das Menschenbild der Ökonomie – Der homo oeconomicus und die Anthropologie von Adam Smith. Alber.

Federici, Silvia (2004): Caliban and the Witch: Women, the Body and Primitive Accumulation. Autonomedia.

Gartner, Hermann (2016): Löhne von Frauen und Männern.Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Aktuelle Berichte Nr. 7. [Link]

 

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Frage #4: Was ist mit ökonomischen Inhalten, die nicht in Matheformeln passen?

Ökonomische Fragestellungen und Inhalte, die nicht in mathematischen Formeln ausgedrückt werden können, sind in der Regel nicht Gegenstand des VWL-Studiums. Tony Lawson – ein prominenter Kritiker der modernen VWL – sieht in der fehlenden Akzeptanz, ökonomische Phänomene ohne Formeln auszudrücken, den größten Fehler dieser (Lawson 2003, 2012). Seiner Ansicht nach fehle der VWL dadurch der social realism und die sie verharre folglich in einer ideology of formalism. Die Volkswirtschaftslehre, wie sie heute in Forschung und Lehre verstanden wird, definiert sich also über die formale Methode und nicht über den Gegenstand, die Ökonomie selbst. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass ein formaler Ansatz nicht seine Berechtigung hat. Vielmehr geht es darum, dass auch andere methodische Ansätze gelehrt und verwendet werden.

Denn die Beschränkung auf formale Methoden grenzt auch die Auswahl der Themen ein: Machtkonstellationen, etwa zwischen den Geschlechtern, oder die gegenseitige Beeinflussung von Marktwirtschaft und Gesellschaft geraten so aus dem Blick der Mainstream-VWL. Solche Inhalte mit klarem ökonomischen Bezug können aber mit anderen (qualitativen) Methoden, wie Experteninterviews, Fokusgruppen und Diskursanalyse, untersucht werden. Diese finden sich oftmals an sozialwissenschaftlichen Fakultäten, weshalb sich ein ausgiebiger Blick ins Vorleungsverzeichnis empfiehlt.

Und der übermäßige Gebrauch von mathematischen Methoden wird auch von einigen Mainstream-Ökonom*innen als problematisch angesehen: Der Makroökonom Paul Romer hat jüngst eine Debatte zur „Mathiness“ in der Wachstumtheorie angestoßen, indem er den Trend zu höherer Mathematik als Möglichkeit beliebige Resultate zu erzeugen bezeichnet hat. Die Modelle werden zu mathematischen Fabeln, deren Inhalt nur durch die Imagination und Weltsicht ihres Erschaffers begrenzt sind.

Gleichzeitig ist jedoch zu beobachten, dass die Bedeutung formaler Modelle in der Forschung abnimmt. Evidenz dafür ist, dass immer weniger solcher Artikel veröffentlicht werden und stattdessen der Anteil empirischer Arbeiten zunimmt. In der wirtschaftswissenschaftlichenLehre ist dies jedoch noch zu wenig angekommen.

 

Links uns Literatur

Lawson, Tony (2012): Mathematical Modelling and Ideology in the Economics Academy: Competing explanations of the failings of the modern discipline?. In: Economic Thought Vol 1, No 1, 2012. [Link]

Lawson, Tony (2012): Ontology and the Study of Social Reality: Emergence, Organisation, Community, Power, Social Relations, Corporations, Artefacts and Money. Cambridge Journal of Economics, 36:2

Kapeller, Jakob; Steinerberger, Stefan (2013): How Formalism shapes Perception: An Experiment on Mathematics as a Language. International Journal of Pluralism and Economics Education, Vol. 4(2): 138-156. [Link]

Romer, Paul (2015): Mathiness in the Theory of Economic Growth. American Economic Review 105(5): 89-93.

 

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Frage #5: Wieso sieht mein VWL-Professor auch dort Gleichgewichte, wo keine sind?

Viele Fragen in der VWL beschäftigen sich mit Gleichgewichten. Dazu gehört die Suche nach Gleichgewichten, die Betrachtung von Gleichgewichten bei Veränderung einer Variable ceteris paribus und die Identifikation von Faktoren, die Gleichgewichte stören. Die methodische Fixierung auf Gleichgewichte kann als ein Kerncharakteristikum der Mainstream-VWL bezeichnet werden (Arnsperger, Varoufakis, 2006: 5). Die Idee von Gleichgewichten prägt die Vorstellung vieler Ökonom*innen vom Markt, was sich auf das Denken über das Verhältnis von Markt und Staat in der Neoklassik auswirkt. Ein plakatives Beispiel dafür ist zum Beispiel ein Veranstaltungstitel wie 'Rechtfertigung der Staatstätigkeit' (TU Dresden), in dessen Unterton die grundsätzliche Unnötigkeit des Staates auf Grund 'natürlicher' Gleichgewichte mitschwingt.

Andere Theorieströmungen verkörpern hingegen andere Vorstellungen vom Markt. In der postkeynesianischen Theorieschule können Märkte auch zu sich selbst destabilisierenden Prozessen führen. Hier ist das Eingreifen des Staates essentiell, um das Funktionieren des Marktes zu ermöglichen. Dominant ist also die Vorstellung, dass es gerade kein natürliches Gleichgewicht gibt. Andere Postkeynesianer*innen vertreten auch die Idee von multiplen Gleichgewichten, was den Fokus auf die Destabilisierung und den Übergangen zwischen diesen lenkt. Weiter geht die marxistische Ökonomik, wo es nicht nur keine Gleichgewichte gibt, sondern die kapitalistische Produktionsweise sogar ihre eigene Grundlage untergräbt und so schlussendlich sich selbst zerstören wird. Diese unterschiedlichen Auffassungen vom Markt sind sehr hilfreich, um einzelne Dynamiken zu verstehen, werden aber in der Mainstream-Ökonomik kaum behandelt.

 

Literatur und Links

Arnsperger, Christian; Varoufakis, Yanis (2006): What Is Neoclassical Economics? The three axioms responsible for its theoretical oeuvre, practical irrelevance and, thus, discursive power. Panoeconomicus 53 (1), 5-18. [Link]

Freeman, Alan (2006): Die Himmel über uns: Über die Bedeutung des Gleichgewichts für die Wirtschaftswissenschaft. EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft 3, 212-241

Elsner, Wolfram; Heinrich, Torsten; Schwardt, Henning (2015): The Microeconomics of Complex Economics. Elsevier.

 

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Frage #6: Wieso wird in Makro nicht von Postkeynesianismus gesprochen?

Postkeynesianismus ist eine Theorieschule in der VWL, die sich in Abgrenzung zur neoklassischen Interpretation von Keynes's Werken (Neukeynesianismus) gebildet hat und mittlerweile die wohl größte Denkschule jenseits vom Mainstream in der VWL ist. Der Ursprung des Postkeynesianismus als eigenständige Denkströmung ist auf die Cambridge-Cambridge Kapitalkontroverse aus den 1960er Jahren zurückzuführen, in der sich Joan Robinson und Pierro Saffra von der britischen Universität Cambridge mit Paul Samuelson und Robert Solow vom Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge eine theoretische Auseinandersetzung über die Rolle von Kapitalgütern in der Produktion geliefert haben (für weitere Details Lavoie 2011). Die Debatte schlug zu jener Zeit hohe Wellen, ist aber mittlerweile weitestgehend unbekannt. Sie war einer der Gründe dafür, dass die sich mittlerweile als Postkeynesianismus bezeichnende Theorieschule von der auf der Neoklassik basierenden Denkschule der amerikanischen Ökonom*innen abspaltete.

Während die Ansichten der Neoklassiker Samuelson und Solow in jedem Lehrbuch zu finden sind, wurden die Beiträge der Postkeynesianer*innen mit der Zeit aus dem Lehrstoff entfernt. Postkeynesnianer*innen sind heutzutage nur noch an wenigen Hochschulen stark vertreten, in Deutschland ist dies vor allem die Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Das Fehlen von postkeynesianischen Beiträgen in der gängigen makroökonomischen Lehre hat zahlreiche Ursachen: Es scheint einerseits an Bewusstsein und Wissen bei Lehrenden zu fehlen, da diese meist nur Mainstream-Makroökonomie in ihrer akademischen Laufbahn kennengelernt haben. Hinzu kommt, dass postkeynesianischer Nachwuchs, wie auch in anderen heterodoxen Strömungen, mit ihren theoretisch anders fundierten Ansätzen in Journals mit hohen Impactfaktoren Schwierigkeiten haben, zu publizieren. Dies wiederum führt zu schlechteren Chancen bei der Berufung auf Lehrstühlen. Aufgrund dieser trüben Karriereperspektiven entscheiden sich viele talentierte WissenschaftlerInnen, obwohl sie überzeugende Argumente im Postkeynesianismus sehen, gegen eine Spezialisierung in diesem Bereich. Nichtsdestotrotz werden auch im Mainstream, ohne sich oft der unterschiedlichen Denkschulen bewusst zu sein, einige postkeynesianische Veröffentlichungen als bahnbrechend wahrgenommen. Hierzu zählt etwa der vielbeachteter Beitrag des Finanzmarktkeynesianers Hyman Minsky zur Destabilisierung von Finanzmärkten.

 

Links und Literatur

Eine kurze Einführung in Postkeynesianismus: [Link]

Lavoie, Marc (2009): An Introduction to Post-Keynesian Economics. Palgrave Macmillan.

Lavoie, Marc (2011): History and Methods of Post-Keynesian Economics. In: Hein, Eckhard; Stockhammer, Engelbert (eds.). A Modern Guide to Keynesian Macroeconomics and Economic Policies. Edward Elgar, 1-33.

Cassidy, John (2008): The Minsky Moment. Subprime mortgage crisis and possible recession. In: The New Yorker. [Link]

Minsky, Hyman (1986): Stabilizing an Unstable Economy. Yale University Press. [Link]

 

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Frage #7: Kann der Preis nur mit Angebot und Nachfrage erklärt werden?

Intuitiv ist vielen Menschen klar, dass der Preis nicht nur durch die Faktoren Angebot und Nachfrage erklärt werden kann. Doch die meisten Ökonom*innen reagieren instinktiv mit dem Schema von Angebot und Nachfrage, wenn sie nach der Preisbildung eines Gutes gefragt werden. Ob es für den angesprochenen Sachverhalt die geeignete Erklärung ist, wird dabei oft nicht bedacht. Die Verwendung dieses Erklärungsschemas hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger ist hierbei die zentrale Rolle des Angebots-Nachfrage-Modells in nahezu jeder Veranstaltung „Einführung in die VWL“: Ob man will oder nicht - das prägt das spätere Denken.

Erst Situationen, die offensichtliche im Widerspruch mit eingefahrenen Erklärungsmustern stehen, führen dazu, dass solche grundlegenden Modelle hinterfragt werden. Dies fand etwa vor und während der Finanzkrise statt, als offenkundig psychologische Faktoren eine große Rolle spielten. Das Angebot-Nachfrage-Modell ist ein Beispiel, um das Problem von stark simplifizierenden Modellen aufzuzeigen. . Die Nichtbeachtung einzelner Faktoren ist eine zwangsläufige Folge der Verwendung solcher Modelle: Sie wurden gerade dafür geschaffen, die Welt zu vereinfachen und wichtige von unwichtigen Faktoren zu trennen. Diese Simplifizierung hat aber auch zur Folge, dass Ökonom*innen für andere plausible Erklärungen desensibilisiert werden, die besser für den Untersuchungsgegenstand geeignet sind.

Um durch die vereinfachten Modelle in seinem Urteil nicht getäuscht zu werden, braucht es eine andere Art über Modelle nachzudenken. Vorstellbar wäre etwa, insbesondere im Rahmen von Einführungsveranstaltungen, immer zwei Modelle für einen Sachverhalt zu verwenden und die Wahl des richtigen Modells für die richtige Situation zu trainieren. Im konkreten Falle der Preisbildung könnte ein zweites Modell verwendet werden, welches von Unternehmen mit Überkapazitäten und institutionelle Preisinflexibilitäten wie langen Wertschöpfungsketten ausgeht. Dies entspricht sicherlich in vielen Fällen mehr der Realität und macht die notwendige Kontextualisierung von Modellen deutlich. Eine weitere alternative Lehrmöglichkeit ist, nicht auf Basis des perfekten Marktes die imperfekten Sonderfälle zu betrachten, sondern mit realistischeren Modellen wie Oligopolen und Preisrigiditäten zu beginnen und darauf aufbauend den Sonderfall des perfekten Marktes in den Blick zu nehmen.

 

Links und Literatur

Wolff, Richard; Resnick, Stephen (2012): Contending Economic Theories: Neoclassical, Keynesian, and Marxian. The MIT Press.

Ferraro, Fabrizio; Pfeffer, Jeffrey; Sutton, Robert (2005): Economics Language and Assumptions: How Theories can become self-fulfilling. Academy of Management Review 30 (1), 8-24.

Rodrik, Dani (2015): Economics Rules: The Rights and Wrongs of The Dismal Science. W.W. Norton. [Link]

 

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Frage #8: Hat Geld wirklich keinen Einfluss auf die reale Wirtschaft?

Im Kern geht es hier um die Frage, wie wir unser Wirtschaftssystem begreifen. Die eine Seite betrachtet die Marktwirtschaft als komplexe Tauschwirtschaft, in der Geld die Rolle eines zentralen Tauschmittels im Prozess des Warenaustausches einnimmt. Die andere Seite betrachtet die Marktwirtschaft als Geld- und Kreditwirtschaft, wo je nach theoretischem Ansatz Geld oder Kredit am Anfang und am Ende der wirtschaftlichen Aktivität steht. Der Mainstream, und damit der Großteil der Lehre, lässt sich in die erste Kategorie einordnen. Dort wird auch vom Schleier des Geldes gesprochen. Den Ursprung hat diese Ansicht bei Léon Walras, der auf Basis von Tauschgeschäften ein allgemeines Gleichgewichtsmodell entwarf. In dieser theoretischen Perspektive treffen sich Anbietende und Nachfragende einmal in der Woche mit ihren Produkten auf dem Markt. Ein*e Auktionator*in wählt dann eine Ware aus und nennt einen Preis, welcher solange angepasst wird, bis Nachfrage und Angebot übereinstimmen. Dieser Prozess wiederholt sich bis alle Waren aufgerufen wurden und die Marktteilnehmenden wieder nach Hause gehen. Geld spielt in dieser Perspektive nur als Zähl- und Tauscheinheit am Markttag eine Rolle. Die Geld- und Kreditwirtschaftsperspektive hingegen stellt Geld an den Anfang und an das Ende einer wirtschaftlichen Aktivität. Dieses wird als Vorschuss an eine Unternehmung gegeben, die damit produziert und durch den späteren Verkauf der Produkte mindestens den Vorschuss wieder verdienen soll. Geld ist folglich nicht nur Mittel, sondern auch Zweck der wirtschaftlichen Tätigkeit. Liegt das Augenmerk auf Krediten, können verschiedene Formen der Spekulation mitbetrachtet werden.

Diese theoretische Differenzierung hat weitreichende Folgen. Insbesondere im Bezug auf Geldpolitik führen die theoretischen Grundannahmen zu sehr unterschiedlichen Politikempfehlungen. Auf der einen Seite steht der Mainstream, der keinen realwirtschaftlichen Einfluss von Geldpolitik (bzw. im Rahmen des Neukeynesianismus nur in der kurzen Frist) sieht. Auf der anderen Seite stehen Theorieschulen wie der Postkeynesianismus, der die Zusammenhänge von monetärer und realwirtschaftlicher Sphäre betont. Ehnts (2014) beispielsweise betont, dass einem Staat mit souveräner Währung – die Regierung nutzt die Währung der eigenen Zentralbank – das Geld nicht ausgehen kann, da die Regierung im Zusammenspiel mit der Zentralbank direkt oder indirekt unbegrenzt an neues Geld kommt. Dieser Zusammenhang ist fundamental, da sowohl Austeritätspolitik wie auch Privatisierung im Rahmen einer solchen Theorie keinen Sinn mehr ergeben, wenn es um die Steigerung des Gemeinwohls geht. Die Ansätze beschränken sich aber nicht auf die Geldpolitik: Binswanger beispielsweise konstatiert sogar einen Zusammenhang zwischen dem Geldsystem und dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum. In seiner Theorie führt die Existenz der gewinnorientierten Investionswirtschaft zu einem Wachstumszwang. Ob die Wirtschaft als Tauschwirtschaft oder als Geldwirtschaft betrachtet wird, ist jedoch keine Wahl zwischen wahr und falsch, sondern eine einer theoretischen Konvention, welche die Untersuchung unterschiedlicher Zusammenhänge ermöglichen und im Bezug auf den Untersuchungsgegenstand und die Situation gewählt werden müssen.

 

Links und Literatur

Binswanger, Hans Christoph (2006): Die Wachstumsspirale. Geld, Energie und Imagination in der Dynamik des Marktprozesses. Metropolis Verlag.

Ehnts, Dirk (2014): Geld und Kredit: eine €-päische Perspektive. Metropolis Verlag.

 

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Frage #9: Wieso nimmt mein VWL-Professor andere Sozialwissenschaften nicht ernst?

Mainstreamökonom*innen orientieren sich in ihrem Selbstverständnis an den Naturwissenschaften und insbesondere an der Physik (Mirowski 1991). Deutlich wird dies unter anderem beim verwendeten Vokabular: In Anlehnung an die Thermodynamik wird in der Wohlfahrtsökonomie vom ersten und zweiten Hauptsatz gesprochen. Gleiches gilt für die Verwendung des Wortes Gesetz (z.B. Say’s Law), welches implizit auf die newtonsche Mechanik anspielt. Nelson (2004: 3) spitzt dies sogar noch weiter zu und meint, dass für einige Ökonom*innen die Trennung zwischen Mathematik und Volkswirtschaftslehre aufgehoben wird: „The more an economic issue […] can be wrung out and dried, stripped of real-world content and context, drained of emotive salience and addressed without apparent purposive intent, the more “scientific” and high-status one’s research appears.” Die hier zugrundeliegende Hoffnung scheint es zu sein, ein mechanisches Ursache-Wirkungs-Wissen zu erhalten. Die Physik hat sich bereits weiterentwickelt und die newtonsche Vorstellung von Naturwissenschaft hinter sich gelassen. Der Mainstream der VWL scheint dieses Ideal hingegen noch anzustreben und verkennt meist ihren Ursprung als Sozialwissenschaft.

Neben dieser Auffassung, die vor allem bei theoretisch arbeitenden Ökonom*innen dominiert, ist jedoch auf die zahlreich empirisch arbeitenden Ökonom*innen hinzuweisen. Die Abgrenzung zu anderen Sozialwissenschaften erfolgt dabei nicht über deduktiv-mathematische Modelle, sondern vielmehr über fortgeschrittene ökonometrische Methoden, die nur langsam Eingang in andere Sozialwissenschaften finden. Ein Beispiel hierfür sind Randomized Controlled Trials, die vermehrt Verwendung in der Entwicklungs- und Verhaltensökonomik finden, und sich eindeutig an naturwissenschaftlichen Experimentalmethoden orientieren.

Doch das naturwissenschaftliche Ideal - so die Befürworter*innen - ermöglicht es der VWL, sich erfolgreich von anderen Sozialwissenschaften abzugrenzen und ferner eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten. Denn Sozialwissenschaften erzeugen, gerade weil sie sich mit Menschen beschäftigen, nur selten Wissen über eindeutige kausale Zusammenhänge im Schema Ursache-Wirkung. Vielmehr werden durch die Verwendung von unterschiedlichen Theorien unterschiedliche Perspektiven auf ein und denselben Untersuchungsgegenstand geworfen, deren Ergebnis ein umfassendes Verständnis ist. Dieses drückt sich dann allerdings eher in Interdependenzen als in kausalen Zusammenhängen aus. Solch eine Form des Wissens verlangt ein selbstkritisch reflektiertes Vorgehen, wie es auch in anderen Sozialwissenschaften üblich ist.

 

Links und Literatur:

Nelson, Julie (2004): Is Economics a Natural Science? Global Development and Environment Institute Working Paper No.03. [Link]

Hausman, Daniel (1992): The Inexact and Separate Science of Economics. Cambridge University Press. Kurze Zusammenfassung: [Link]

Drechsler, Wolfgang (2000): On the possibility of quantitative-mathematical social science, chiefly economics: Some preliminary considerations. Journal of Economic Studies 27(4/5): 246 – 259.

Mirowski, Philip (1991): More Heat Than Light. Cambridge University Press.

Hamermesh, Daniel (2013): Six Decades of Top Economics Publishing: Who and How. Journal of Economic Literature 51(1): 162-172.

 

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Frage #10: Wieso nicht erst ökonomische Daten und dann Modell?

Im Mainstream der VWL gilt deduktives Vorgehen (d.h. erst Modell, dann Daten) als Konvention. Die meisten Einführungslehrbücher beschreiben sie auf ihren ersten Seiten. Der Ausgangspunkt des deduktiven Arbeitens ist die Formulierung eines Modells, dieses Modell soll anschließend anhand von Daten getestet werden. Das deduktive Vorgehen gilt auch deshalb als erstrebenswerter, da es sich an dem naturwissenschaftlich experimentellen Vorgehen orientiert, vermeintlich neutraler und mit der Hoffnung verbunden ist, kausale Effekte zu identifizieren.

Die deduktive Konvention hat ihren Ursprung in John Stuart Mill's Werk „On the definition of political economy“ aus dem Jahr 1834. Mill lebte zu einer Zeit, als Wissenschaftler*innen versuchten ein Pendant zu Newton's Mechanik in den Sozialwissenschaften zu finden und es keine Werkzeuge gab, sowohl theoretisch als auch praktisch, um größere Datenmengen zu verarbeiten. Mill schloss daraus, dass die deduktive Methode (der 'a apriori' Ansatz) der erfolgversprechendste Vorgehen ist. Zuversicht in ein theoretisches Ergebnis ließ sich dadurch auf das Vertrauen in die Annahmen reduzieren. Dieser methodische Ansatz wird bis heute von vielen ÖkonomInnen benutzt, auch wenn eher implizit als explizit.

Das deduktive Arbeiten wurde zudem durch den berühmten Aufsatz von Milton Friedman "The Methodology of Positive Economics" in der VWL weiter befördert. Ihm zu Folge sei ein Model nur an seiner Vorhersagekraft zu beurteilen, nicht jedoch an seinen Annahmen. Diese können vollkommen unrealistisch sein. Gute Modelle, so Friedman, zeichnen sich sogar durch abstrakte und ungreifbare Annahmen aus. Offensichtlicher Ausgangspunkt von Positive Economics ist somit das Modell.

Doch in den letzten zwei Jahrhunderten hat sich einiges geändert. Insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten sind die Möglichkeiten Daten zu verarbeiten und auszuwerten exponentiell gewachsen. Wie wertvoll datengetriebene Forschung sein kann zeigt zum Beispiel die Arbeit des französischen Ökonomen Thomas Piketty in seinem Werk „Capital in the 21st Century“. Durch seine Aufarbeitung von Einkommenssteuerdaten aus dem vergangen mehr als 100 Jahren hat Piketty unser Wissen über ökonomische Ungleichheit im großen Maße erweitert. Und Piketty ist nicht alleine: James Glattfelder (2010) hat Besitz- und Einflussstrukturen von globalen Firmen an Hand von Registerdaten analysiert und Raj Chetty (2014) hat die Sicht auf soziale Mobilität in den USA durch die Benutzung von langjährigen Steuerdaten verändert.

 

Literatur und Links

Kapeller, Jakob (2011): Was sind ökonomische Modelle? In: Philosophie und Wirtschaftswissenschaft. Gadenne, Volker; Neck, Reinhard (Hrsg.). Mohr Siebeck, 29-50. [Link]

Mill, John Stuart (1834): On the definition of political economy.

Chetty, Raj and others; The Equality of Opportunity Project. [Link]

Hausman, Daniel (1992): The Inexact and Separate Science of Economics. Combridge University Press.<Glattfelder, James (2010): Ownership Networks and Corporate Control: Mapping Economic Power in a Globalized World. Dissertation ETH Zürich. [Link]

Becker, Gary (1976): The Economic Approach to Human Behavior. Chicago University Press.

Friedman, Milton (1953): Essays in Positive Economics. Harvard University Press.

 

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Frage #11: Wie funktionieren eigentlich andere Wirtschaftssysteme?

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Untergang der Planwirtschaft des Realsozialismus verschwand die Auseinandersetzung mit verschiedenen Wirtschaftsordnungen aus den VWL-Lehrplänen. Im Studium wird der Eindruck vermittelt, dass die aktuelle Wirtschaftsordnung alternativlos ist. Aber die Finanzkrise 2008, die darauf folgende Wirtschaftskrise, die öffentlichen Bewegungen zum bedingungslosem Grundeinkommen und Postwachstum zeigen, dass eine Auseinandersetzung in der Wissenschaft und Lehre mit unterschiedlichen Wirtschaftsordnungen notwendig ist. Wenn der Kapitalismus – in Deutschland unter dem Euphemismus soziale Marktwirtschaft bekannt – wirklich die beste Wirtschaftsordnung ist, dann muss sie sich auch im akademischen Diskurs gegen die Alternativen behaupten können. Gleichzeitig können wir von den Erfolgen und Misserfolgen anderer Wirtschaftsordnungen lernen und so erneute Fehler verhindern bzw. schrittweise Verbesserungen bewirken.

Verschiedenste Vordenker*innen haben zahlreiche unterschiedliche Wirtschaftsordnungen ersonnen und ausgearbeitet. Manche davon werden auch in anderen Ländern praktiziert. Die Bandbreite der Konzepte reichen dabei von verschiedenen kapitalistischen Varianten über utopische Entwürfe beispielsweise von Morus und Platon hinzu älteren wie neueren (markt-)sozialistischen, etwa von John Roemer, sowie anarchistischen Ideen von Kropotkin. Wenn gleich nicht alle diese Konzepte gleich realistisch umsetzbar sind, so schärft die intellektuelle Auseinandersetzung mit ihnen den Blick für Gestaltungsmöglichkeiten. Die Ideen und Konzepte sind so zahlreich wie vielfältig, darum können wir hier nur auf eine Auswahl an Konzeptionen verweisen.

 

Gesamtüberblick bzw. vergleichende Perspektive:

Corneo, Giacomo (2014): Bessere Welt: Hat der Kapitalismus ausgedient? Eine Reise durch alternative Wirtschaftssysteme. Goldegg.

Heilbroner, Robert L.; Milberg, William (2007): The Making of Economic Society. Prentice Hall.

Bernstein, William J. (2004): The Birth of Plenty: How the Prosperity of the Modern World was Created. McGraw-Hill.

Einführende und weiterführende Links und Texte zu anderen Wirtschaftsordnungen:

Zum Marktsozialismus: Yunker, James (2007): A Comprehensive Incentives Analysis of the Potential Performance of Market Socialism. In: Review of Political Economy, Vol. 19, 1, 81-113.

Zu Postwachstumsökonomie: Paech, Niko: Grundzüge einer Postwachstumsökonomie [Link]
Paech, Niko (2012): Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. oekom verlag.

Zum Aktienmarktsozialismus: Corneo, Giacomo (2014) Börse plus Sozialismus. In: Brandeins, Ausgabe 7/2014 [Link]
Roemer, John (1994): A Future for Socialism. Harvard University Press, Cambridge

Zur Planwirtschaft: Carlina, Wendy; Schafferb, Mark; Seabrightc, Paul (2013): Soviet power plus electrification: What is the long-run legacy of communism? in: Explorations in Economic History, Vol. 50, 1, 116–147.

Zum Bedingungsloses Grundeinkommen: Hauser, Richard (2006): Alternativen einer Grundsicherung –soziale und ökonomische Aspekte. [Link]
Ackerman, Bruce; Alstott, Anne (2000): The Stakeholder Society. Yale University Press.

Zur Gemeinwohlökonomie: Felber, Christian (2012): Gemeinwohl-Ökonomie. Deuticke. [Link]

Zum anarchistischem Kommunismus: Kropotkin, Peter (1989): Die Eroberung des Brotes. Trotzdem Verlagsgenossenschaft eG. [Link]

 

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Frage #12: Warum sind meine VWL-Professoren fast nur männlich?

Wenn es an deiner Universität oder Hochschule keine, oder nur wenige VWL-Professorinnen gibt, ist das leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die gesamte VWL ist männlich dominiert, wie ein Blick in die Liste der vergebenen Wirtschaftsnobelpreise zeigt. Unter den 74 Personen, an die dieser Preis verliehen wurde, findet sich mit Elinor Ostrom, die bezeichnenderweise Politikwissenschaftlerin war, lediglich eine Frau. Diese Einseitigkeit besteht auch bei den Preisen, die an Nachwuchswissenschaftler*innen verliehen werden (Boston Globe, 2012) oder in Rankings, die sich explizit auf den deutschsprachigen Raum beziehen, wie dem des Handelsblattes.

Dies liegt zu einem daran, dass das Wissenschaftssystem bzw. die Universitäten lange Zeit von explizit sexistischen institutionellen Regeln durchzogen waren und heute noch sind. In Deutschland haben Frauen erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts das Recht, an einer Universität zu studieren. Die Habilitation von Frauen war lange Zeit streng reguliert oder schlicht verboten (in Preußen bis 1920). Frauen, die es trotz dieser Hürden in den wissenschaftlichen Betrieb schafften, wie Rosalind Franklin, Harriet Taylor Mill und Jocelyn Bell Burnell, hatten damit zu kämpfen, dass ihre Forschungsergebnisse Männern zugerechnet wurden.

Heutzutage haben Frauen einen wesentlich einfacheren Zugang zum Studium, allerdings nimmt der Frauenanteil stetig ab, je höher die Hierarchieebene ist: „In 2013 new doctorates were 35% female, falling to 27.8% for assistant professors, to 24.5% for tenured associate professors and to 12% for full professors.“ (American Economic Association, 2013: 12). Dies ist sicherlich ein allgemeines Problem, doch die VWL sticht besonders heraus: „The differences between economics and the other disciplines are striking. Economics has by far the largest gender promotion gap of any discipline“ (Ginther, 2004). Selbst wenn für Bildung, Befähigung, Produktivität und Familiengestaltung (wie Partner*innen oder Kinder) kontrolliert wird, haben Männer eine etwa 16 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit zu einer vollen Professur befördert zu werden. Selbst Frauen mit renomierten Posten in der VWL bekommen bei Koautor*innenschaften weniger Anerkennung (Wolfers 2015). Ein Grund dürfte der oben beschriebene historische Ballast sein, der unsere Universitäten immer noch prägt. Zudem lässt sich das in der Soziologie beschriebene Phänomen, dass eine homogene Gruppe bevorzugt Individuen beitreten lässt, die den Gruppenmitgliedern ähnlich sind, an der gegenwärtigen Berufungspraxis deutlich beobachten. Es sei angemerkt, dass sich die Diskriminierung von Individuen, die nicht den Merkmalen der In-Group entsprechen nicht auf das Merkmal Geschlecht beschränkt (Beoku-Betts, 2004).

(1) Eigentlich „Preis der Schwedischen Nationalbank im Gedenken an Alfred Nobel“. Träger*innen dieses Preises sind hier zu finden. [Link]

 

Links und Literatur

Boston Globe (2012): Women making gains in economics, but progress is slow. 14. Mai 2012 online erschienen. [Link]

American Economic Association (2013): The 2013 Report of the Committee on the Status of Women in the Economics Profession. [Link]

Hier sind Daten für Deutschland zu finden: [Link]

Ginther, Kahn (2004): Women in Economics: Moving Up or Falling Off the Academic Career Ladder? Journal of Economic Perspectives, Summer 2004

Beoku-Betts, Josephine (2004): African Women Pursuing Graduate Studies in the Sciences: Racism, Gender Bias, and Third World Marginality. NWSA Journal Volume 16, Number 1, [Link]

Wolfers, Justin (2015): Even Famous Female Economists Get No Respect. New York Times. [Link]

 

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Frage #13: Wieso lerne ich in VWL nicht, wie die Wirtschaft funktioniert?

Zahlreiche Studierende beginnen das VWL Studium mit dem Interesse, die Wirtschaft und das wirtschaftliche Zusammenleben zu verstehen. Doch diese Erwartungen werden meist schnell enttäuscht: Statt sich die reale Welt anzuschauen, fokussiert sich das VWL Studium auf die Analyse einer Idealwelt. Kritiker*innen unter Studienanfänger*innen werden meist damit vertröstet, dass ihre Erwartungen Bestandteil des späteren Studiums sei. Doch viele stellen auch im späteren Studienverlauf fest, dass den Idealweltmodellen nur kleinere Makel hinzugefügt werden und die Realität auch später selten zum Untersuchungsgegenstand wird.

Ein Beispiel ist die Einführung in die Geldtheorie. Hier ist das Multiplikatorenmodell Standard, welches die Geldschöpfung und Geldmengenbegrenzung über eine Bindung an einer Mindestreserve erklärt. Eine Modellierungsvariante, die sich gut in andere makroökonomische Modelle integrieren lässt, aber so stark im Kontrast mit der realen Geldschöpfung steht, dass selbst die britische Zentralbank sich genötigt sah, in einer Veröffentlichung auf die Fehlkonzeption in Lehrbüchern hinzuweisen (Bank of England 2014).

Neben den Einbezug von Praktiker*innen in das Studium können auch andere Theorieschulen helfen, ein realitätsnäheres Bild der Wirtschaft zu schaffen. Einerseits müsste sich die Mainstream-VWL dann im Wettstreit mit anderen Darstellungen der Wirtschaft, im besten Fall in der Realität behaupten. Andererseits schärfen Theorieschulen wie die Institutionenökonomik oder die Komplexitätsökonomik das Auge für andere relevante Faktoren. Doch die Realität stellt sich schnell als komplizierterer Untersuchungsgegenstand heraus als die Mainstream-Idealwelt. Thomas Piketty, einer der meist diskutiertesten Ökonomen 2014, kritisiert die VWL genau an diesem Punkt: “Economists are all too often preoccupied with petty mathematical problems of interest only to themselves. This obsession with mathematics is an easy way of acquiring the appearance of scientificity without having to answer the far more complex questions posed by the world we live in.” (Piketty, 2014: 32).

 

Links und Literatur

Bank of England (2014): Quarterly Bulletin 2014 Q1 [Link]

Bowles, Samuel (2006): Microeconomics: behavior, institutions, and evolution. Princeton University Press.

Piketty, Thomas; Goldhammer, Arthur (2014): Capital in the Twenty-first Century. Belknap of Harvard University Press.

 

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Frage #14: Wieso kennen meine VWL-Modelle keine Geschichte?

Volkswirtschaftliche Modelle weisen oft eine erstaunliche Zeitlosigkeit auf. Meist im Gewandt von mathematischen Formeln postulieren sie Zusammenhänge zwischen Faktoren, die sowohl in der industriellen Revolution als auch im Finanzmarktkapitalismus zu gelten haben. Dass dies auf einer trügerischen Illusion basiert, hat sich zum Beispiel unter Mainstream-Makroökonom*innen in der Finanzkrise 2008 gezeigt: Ihre DSGE-Modelle hatten gar keinen Finanzmarkt. Finanzkrisen gab es zwar schon zuvor regelmäßig, aber ihre Wirkung blieb meist auf den Finanzsektor oder einzelne Branchen bzw. Länder beschränkt. Ein Fakt der Zeit, der sich in den Modellen dieser Zeit widerspiegelt.

Der Punkt wird noch offensichtlicher bei Lehrbuchmodellen, die oft vor vielen Jahrzehnten ersonnen wurden: Das Solow-Modell zum Beispiel kommt aus den Nachkriegsjahren. Retrospektiv betrachtet scheint es eine Erklärung zu bieten für die Wiederherstellung des zerstörten Kapitalstocks nach dem Krieg und dem damit verbundenen Aufholrennen mit den nicht kriegszerstörten Ökonomien der westlichen Welt. Für Wachstumsfragen der Moderne, wie die fortbestehende Lücke zwischen den Wirtschaften des globalen Norden und Süden, scheint es eher ungeeignet zu sein, doch seine zeitlose mathematische Formulierung lässt es fortbestehen in den modernen Lehrbüchern.

Die Geschichtsaversion ist auch in der Spieltheorie zu sehen: Gelehrt werden fast ausschließlich statische und (scheinbar) dynamische Modelle. Entweder sie beschränken sich auf eine Periode, oder sie enthalten die Optimierung in einer Periode über einen unendlichen Horizont hinweg. Als Geschichte werden hier hypothetische Verläufe des Spiels verstanden. Neuere Trends in der Spieltheorie sind evolutionäre Ansätze, die grundsätzlich geeigneter sind um Pfadabhängigkeiten zu erfassen und vielseitig in der Biologie Anwendung finden. Aber Robert Sugden (2001) macht darauf aufmerksam, dass in die Mainstream-VWL nur die mathematischen Lösungskonzepte übernommen wurden: Die Analogie zur pfadabhängigen und geschichtlichen Entwicklung von Arten ist hingegen vollkommen unter den Tisch gefallen.

Doch wo hat diese Ahistorizität ihren Ursprung? Immerhin war die historische Schule in den damaligen Harvards der VWL-Welt, Berlin und Wien, einmal die führende Theorieschule in der Ökonomie. Tony Lawson (2012) behauptet, dass mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dem Beginn des Kalten Krieges und dem Aufzug des McCarthyismus formale Modelle erstrebenswert wurden. Sie boten eine Möglichkeit, sich von den sozialistisch geprägten Forschung abzugrenzen, waren aber durch ihre Form weniger kritisch und reflexiv. Und sie entsprachen dem Zeitgeist der westlichen Welt. Das französisches Mathematiker*innen-Kollektiv Nicolai Bourbaki, welches versuchte Form und Inhalt vollkommen zu trennen, wurde beispielsweise zu einem Vorbild für Theoretiker*innen der VWL (Düppe 2010).

Gleichwohl nimmt spätestens seit den 1980er Jahren der Anteil der empirischen Arbeiten deutlich zu. In der neuen Institutionenökonomik zeigen die Arbeiten von Acemoglu und Koautor*innen Pfadabhängigkeiten von institutionell-ökonomischer Entwicklung. Dennoch bleibt auch in den empirischen Arbeiten ein Ideal auf Wachstum und Wettbewerb enthalten.

 

Links und Literatur

Düppe, Till (2010): Debreu’s apologies for mathematical economics after 1983. Erasmus Journal for Philosophy and Economics 3 (1), 1-32. [Link]

Lawson, Tony (2012): Mathematical Modelling and Ideology in the Economics Academy: competing explanations of the failings of the modern discipline? Economic Thought 1(1), 3-22. [Link]

Sugden, Robert (2001): The evolutionary turn in game theory. Journal of Economic Methodology. 8(1), 113-130. [Link]

 

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Frage #15: Wieso hat sich die VWL-Lehre nach der Finanzkrise nicht verändert?

Zunächst gilt es zu betonen, dass viele Stimmen keine wesentlichen Änderungen diagnostiziert haben. Systematisch damit beschäftigt hat sich beispielsweise Philip Mirowski in seinem Buch Never Let A Serious Crisis Go To Waste. Ein Anzeichen, das laut ihm auf eine Veränderung hindeuten würde, ist beispielsweise die Vergabepraxis für den „Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaft zur Erinnerung an Alfred Nobel“. Dieser wurde auch nach der Krise an Vertreter der rational expectations Schule vergeben. Zu einem ähnlichen Schluss kommt ein aktueller Bericht über die Besetzung von Professorenstellen in Frankreich, wo die Dominanz des Mainstreams sogar noch gestiegen ist (Board of the French Association of Political Economy 2014).

Hierfür gibt es vielfältige Gründe, zunächst die wissenschaftstheoretischen: Die Wirtschafts- und Finanzkrise kann als externer Faktor angesehen werden, der eine Wissenschaft, die in sich zu funktionieren schien, von außen erschüttert. Üblicherweise brauchen solche Krisen innerhalb der Wissenschaft eine gewisse Zeit, ehe herrschende Paradigmen aufgebrochen werden. Thomas Kuhns (1996) Überlegungen zu wissenschaftlichen Revolutionen helfen beim Verstehen: Wissenschaften stabilisieren sich in bestimmten Sichtweisen (Paradigmen), die sie für anderes, für Probleme außerhalb dieser Sichtweise, blind machen. Hinzu kommt, dass jene, die die Paradigmen vertreten, häufig ihre Karriere auf diesen herrschenden Paradigmen aufbauen und damit auch persönlich angegriffen sind. Daher sind es, nach Kuhns Beobachtungen tendenziell jüngere Wissenschaftler*innen, die Veränderungen gegenüber aufgeschlossen sind und diese in die Wissenschaft hineintragen.

Aus institutioneller Sicht ist die VWL, im Vergleich zu vielen anderen Sozialwissenschaften, durch eine starke Unterscheidung zwischen orthodoxer Theorie (der herrschenden Lehrmeinung, von griech. orthos= richtig, gerade, und doxa= Meinung, Glaube) und heterodoxen Ansichten (hetero= anders, abweichend) gekennzeichnet. Während die orthodoxe Theorie, die üblicherweise als Neoklassik betitelt wird (wobei das eine starke Verkürzung der auch in der VWL-Lehre vorfindbaren, unterschiedlichen Theorien bedeutet), institutionell an der Universität stark vertreten ist, sind heterodoxe Theoretiker*innen aus der an der Universität institutionalisierten VWL in der Regel ausgeschlossen. Dass institutionelle Einstellungspolitik dort, wo wenig Diversität herrscht, nicht unbedingt Diversität produziert, verwundert nicht.

Aber es lassen sich auch politische Gründe finden: Die VWL, weil sie gesellschaftlich äußerst relevante und auch umkämpfte Themen und Fragen bearbeitet, hat sowohl einen großen Rückhalt bei ehemaligen Studierenden in vielen gesellschaftlichen und politischen Positionen als auch in der Politik, wo viele Wirtschaftswissenschaftler*innen beratend tätig sind. Insofern spielt nicht nur die institutionelle Macht in der Wissenschaftsstruktur der VWL eine große Rolle, sondern auch die Querverbindungen zwischen Wissenschaft und Politik. Diese gehen einher mit zusätzlicher politischer Macht, führen aber auch dazu, dass eine größere Stabilität des Wissensgebäudes bevorzugt und mitproduziert wird.

 

Links und Literatur

Board of the French Association of Political Economy (2014): Evolution of Economics Professors’ Recruitment since 2000 in France: The End of Pluralism. [Link] 

Mirowski, Philip (2013): Never Let a Serious Crisis Go to Waste: How Neoliberalism Survived the Financial Meltdown. Verso Books.

INET Hongkong (2013): Economics and the Powerful. Video.

Kuhn, Thomas (1996): Theory of Scientific Revolution. Chicago University Press.

Pahl, Hanno (2013): Überleben als heterodoxer Ökonom. Working Paper 04/2013 der DFG-KollegforscherInnengruppe Postwachstumsgesellschaften. [Link]

 

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Frage #16: Studiere ich VWL oder Neoklassik?

Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit neoklassische Ansätze, denn diese dominieren das Studium der VWL heutzutage an den meisten Universitäten. Jedoch ist der Begriff 'Neoklassik' mittlerweile selbst zu einem Streitthema geworden. Verteidiger des Mainstreams verstehen Neoklassik zumeist eng und beziehen sich auf die ideengeschichtliche Entwicklung der allgemeinen Gleichgewichtstheorie (Jevons, Arrow und Debreu) sowie das Wachstumsmodell von Solow. Modernere Ansätze im Mainstream lassen einige der zentralen Annahmen fallen (z.B. vollständige Informationen) und fühlen sich deswegen mit Kritik an der Neoklassik nicht getroffen. Kritiker der Neoklassik haben hingegen oft ein viel breiteres Verständnis von dieser. Arnsperger und Varoufakis (2006) definieren die Neoklassik über ihre Methodik, die in ihren Worten durch methodologischen Individualismus, methodologische Gleichgewichte und methodologischen Instrumentalismus gekennzeichnet ist. Colander (2000) argumentiert sogar, dass der Begriff Neoklassik ganz aufgegeben werden sollte und konstatiert den „Death of Neoclassical Economics“. Denn er hat seiner Ansicht nach zwei widersprechende Bedeutungen: Einerseits die Bezeichnung der historischen Ideenschule von 1870 bis 1930 und anderseits als Bezeichnung des Mainstreams von Außenstehenden. Auch seiner Einschätzung nach definiert sich die heutige VWL aber über die Methode und nicht über den Inhalt. Die dominante Methode seiner Meinung nach ist die Verwendung von Modellierung mit anschließender empirischer Überprüfung.

In der VWL-Lehre bleibt aber oft ein anderer Eindruck hängen, denn obwohl sich die VWL als Forschungsdisziplin mittlerweile deutlich weiter entwickelt hat, sind die Lehrbücher und die Universität noch voll mit neoklassischen Ansätzen und Vokabular. Eins von vielen Symptomen hierfür ist die Standarddefinition der VWL durch Lionel Robbins, wonach die VWL das Studium der Allokation knapper Ressourcen ist und sich damit auf die neoklassische Forschung zur Allokation bezieht. Eine passendere Definition des aktuellen Zustandes der Wissenschaft hatte allerdings bereits Keynes: "Economics is the science of thinking in terms of models joined to the art of choosing models which are relevant to the contemporary world".

Es sollte folglich im Studium nicht um das simple Nachrechnen von veralteten Modellen gehen, sondern die Auswahl von passenden Modellen sowie die Refexion über Modelle und ihrer Entstehung sollten ein fester Bestandteil sein. Das dies möglich ist, zeigen Veranstaltungen an einigen Universitäten wie „History of Economic Thought“, „Model-thinking und Philosophy of Science“ oder “Wissenschaftsphilosophie“. Ausgehend von einem besseren Bewusstsein über den aktuellen Zustand der Wissenschaft kann auch besser über die Zukunft der Disziplin und damit über das, was die Modellierungsökonomie ergänzen bzw. ersetzen kann, nachgedacht werden.

 

Literatur und Links:

Colander, David (2000): The Death of Neoclassical Economics. Journal of the History of Economic Thought 22(2), 127-143. [Link]

Arnsperger, Christian; Varoufakis, Yanis (2006): What Is Neoclassical Economics?  The three axioms responsible for its theoretical oeuvre, practical  irrelevance and, thus, discursive power. Panoeconomicus 53(1), 5-18. [Link]

 

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